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Der Schnitt meines Lebens: Wie ich hinter Gittern meinen Fokus fand

Viele Menschen denken bei Freiheit an das Fehlen von Mauern. Doch ich habe meine wahre Freiheit erst dort entdeckt, wo die Mauern am höchsten waren: In der JVA Siegburg. Das ist nicht die Geschichte eines Absturzes, sondern die Geschichte einer Kameralinse, die mein Leben wieder scharf gestellt hat.“

Lesen sie hier meine Wichtigsten Stationen

Der JVA Kompass

Eines Abends saßen meine Freundin, mein Mitbewohner J. und ich im WG-Zimmer zusammen und tranken Kaffee. Das Thema schwenkte um zu meiner ehemaligen Inhaftierung und der Situation nach der Entlassung aus der Haft. Alles fing mit der Frage an, ob es nicht Ratgeber gäbe, die Adressen für betreutes Wohnen nach der Haft liefern.
Ich erklärte, dass es zwar viele Ratgeber gibt – teils auch mit Adressverzeichnissen –, diese jedoch oft nicht präzise beschreiben, wer sich dort überhaupt bewerben kann. Das Hauptproblem sei, dass Inhaftierte keine Möglichkeit haben, das Internet zu nutzen oder einfach alle Stellen abzutelefonieren. Alles muss per Post erledigt werden. Dafür benötigt man Briefmarken, die sich die Inhaftierten in der Regel selbst kaufen müssen oder die man sich (sofern es die jeweilige JVA erlaubt) zuschicken lassen kann. Da überlegt man es sich zweimal, ob man sich auf gut Glück irgendwo bewirbt.
Dann sagte mein Mitbewohner: „Dann musst du es eben besser machen!“ Ich dachte nur: „Bitte, was hat er gerade gesagt?“ Meine Freundin sprang direkt mit auf den Zug auf – oder wie wir am Niederrhein so schön sagen: „auf das Pferd“ – und sagte zu mir: „Hey, das ist eine gute Idee! Du weißt doch am besten, was dort fehlt.“

Ich dachte zuerst, die beiden seien übergeschnappt. Eine Autobiografie zu schreiben ist das eine, aber einen Ratgeber zu verfassen, ist etwas ganz anderes. Ich kann ja nicht einfach wahllos Adressen sammeln und veröffentlichen; da muss viel mehr Inhalt rein. Trotzdem ließ ich mir die Sache durch den Kopf gehen, fing an zu schreiben und zu recherchieren.
Es fiel mir jedoch alles andere als leicht, Adressen von Einrichtungen zu finden, da ich mein Projekt auf ganz Deutschland ausweiten wollte. Nach Monaten der Recherche sind einige Bundesländer leider immer noch nicht vertreten, was mir sehr leidtut. Doch genau das zeigt, wie schwer es ist, an diese Informationen zu gelangen. Wenn es schon draußen so kompliziert ist – wie schwer muss es dann erst für Inhaftierte sein?



Freiheit verpasst – Freiheit gefunden

Meine Lebensgeschichte: Ein Weg aus dem Schatten
Ich erzähle hier meine Lebensgeschichte. Ich bin am Rand der Gesellschaft aufgewachsen, geprägt von Armut, einem alkoholkranken Vater und einer überforderten Mutter. Meine Kindheit war gezeichnet von Traumata, Ausgrenzung und Gewalt. Schon früh lernte ich, dass Anerkennung für mich nicht selbstverständlich war. Um überhaupt gesehen zu werden, entwickelte ich Strategien: Ich erfand Rollen oder täuschte Krankheiten vor, nur um ein wenig Aufmerksamkeit zu erhalten. Mit 19 Jahren saß ich schließlich zum ersten Mal im Gefängnis. In der Isolation der Zelle, gefangen zwischen Angst, Aggression und den starren Regeln des Strafvollzugs, begann ich allmählich zu begreifen, wie tief die Wunden meiner Vergangenheit tatsächlich reichen.

In meinem autobiografischen Bericht zeige ich eindringlich, wie schmal der Grat zwischen Freiheit und Gefangenschaft tatsächlich ist. Ich beschreibe meinen persönlichen Kampf um Anerkennung, meine Rückschläge und die schwierige Suche nach einem festen Platz im Leben.

Es ist ein ehrlicher Rückblick auf den harten Weg aus einer Spirale von Schuld, Scham und wiederholter Haft. Trotz aller Stürze möchte ich damit vor allem eines betonen: die Kraft der Veränderung und die Hoffnung auf eine zweite Chance.

Lesungen und Podiumsdiskussionen

Einblicke in eine Welt hinter Gittern und den Weg zurück

Vom Inhaftierten zum Sozialreporter: Ich lade Sie ein zu einer Reise durch die Realität des Strafvollzugs und die Herausforderungen der Resozialisierung.

Hinter Mauern beginnt oft ein Prozess, den sich Außenstehende kaum vorstellen können. In meinen Lesungen und Podiumsdiskussionen breche ich das Schweigen. Ich erzähle nicht nur eine Geschichte von Fehlern, sondern vor allem eine von Erkenntnis und dem harten Weg zurück in die Gesellschaft.

Sozialreporter

Nach meiner Entlassung aus der JVA Siegburg im Jahr 2023 gründete ich noch im Dezember den Kanal „Sozialreporter“ beim TV-Sender NRWision. Den Sender hatte ich bereits während meiner Inhaftierung durch das Projekt „Podknast“ kennengelernt.
Im Rahmen einer Ausführung besichtigte ich in Begleitung des Freizeitkoordinators Herrn G. und seines Vertreters Herrn K. die Redaktionsräume. Obwohl die Mitarbeiter des Senders wussten, dass ich direkt aus der Haft kam, behandelten sie mich einfach wie einen ganz normalen Gast. Ich hatte das Gefühl, dass hier nicht mein Hintergrund zählte, sondern ich als Mensch. Das hat mich nachhaltig beeindruckt und motiviert.

Durch meine Arbeit sind Filme entstanden, die sich mit wichtigen gesellschaftlichen Themen wie Obdachlosigkeit, Drogen- und Alkoholabhängigkeit auseinandersetzen. Zudem habe ich Reportagen gegen Rechtsextremismus produziert und verschiedene soziale Projekte sowie Institutionen porträtiert.
Besonders wertvoll war für mich dabei die Zusammenarbeit mit vielen inspirierenden Menschen. In diesen gemeinsamen Projekten entstand ein echtes menschliches Zusammenspiel. Uns alle verband ein gemeinsames Ziel und die Vision, etwas zu bewegen. Diese Begegnungen haben mir gezeigt, wie viel man erreichen kann, wenn man auf Augenhöhe zusammenarbeitet.

Verrückt Unterwegs

Während meiner Umschulung zum Fachinformatiker für Systemintegration lernte ich meinen besten Freund Basti kennen. Unsere Leidenschaften ergänzten sich von Anfang an perfekt: Er ist begeisterter Bahnfahrer und leidenschaftlicher Trainspotter, ich leidenschaftlicher Hobbyfilmproduzent.
Basti hatte schließlich die zündende Idee, unsere Talente zu bündeln – seine kreativen Reiseideen kombiniert mit meinem Handwerk hinter der Kamera. Zunächst veröffentlichten wir unsere gemeinsamen Beiträge unter dem Namen „Sozialreporter“. Doch im Austausch mit NRWision ergab sich eine neue Chance: Die Möglichkeit, einen ganz eigenen Kanal zu starten. So war „Verrückt unterwegs“ geboren.
In dieser Zeit sind viele tolle Reisefilme entstanden. Unser Ziel war es, zu zeigen, dass all diese Orte mit dem Deutschlandticket (dem 49-Euro-Ticket) erreichbar sind. Auf unseren Reisen haben wir viele wunderbare Menschen kennengelernt.

Einiges an bisher unveröffentlichtem Material haben wir schließlich im Abschiedsvideo des Sozialreporter-Kanals gezeigt – darunter auch unseren Besuch bei „First Kebap“ in Duisburg, einem wirklich erstklassigen Dönerladen, den ich jedem nur empfehlen kann.
Doch wie das Leben so spielt, gibt es immer wieder Veränderungen. Basti und ich haben uns beruflich getrennt, weshalb es keine neuen Folgen von „Verrückt unterwegs“ mehr geben wird. Da diese Zeit für mich trotzdem wunderschön war und voller wertvoller Erinnerungen steckt, bleiben die Filme in der Mediathek von NRWision weiterhin online.
Trotz des Entschlusses vermisse ich meinen besten Freund. Aber so ist das Leben: Menschen kommen und Menschen gehen – was bleibt, sind die Erfahrungen, die uns geprägt haben.

Künstlerfreunde

Als Buchautor ist man zwar oft allein am Schreibtisch, doch im echten Leben lerne ich unglaublich viele inspirierende Menschen kennen – sei es auf Lesungen, in Autorenvereinigungen oder bei gemeinsamen Projekten.
Der Austausch mit meinen Kolleginnen und Kollegen ist mir dabei besonders wichtig. Wir teilen nicht nur unsere Leidenschaft für das Schreiben, sondern unterstützen uns auch gegenseitig mit wertvollen Tipps und Erfahrungen. In dieser Rubrik möchte ich euch meine Autorenfreunde und ihre beeindruckenden Werke vorstellen.

Für mich ist dieses Netzwerk ein wichtiger Rückhalt: Hier hole ich mir neue Impulse, teile meine eigenen Erfahrungen und finde immer wieder Inspiration für neue Kapitel. Schaut gerne mal in ihre Bücher rein – es lohnt sich!